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Der histo-
rische Nikolaus


Nikolaus von Myra
wird
Nikolaus von Bari

Nikolaus
Legenden

 
   

Nikolaus
wird zum
Weihnachtsmann

Hochstleistungs-
Weihnachtsmann

Gibt es den Weihnachtsmann
wirklich?

 
       
  Weihnachtsmänner auf dem Monte Argentario:
Piero, Mauro, Giorgio, Luigi, Bruno
Francesco, Francesco, Igor, Raffaele, Mauro,
Figuccia, Roberto, Paolo, Giuseppe, Claudio,
Gerardo, Roberto, Bruno, Luciano, Fabio.
Foto: gm
 

     
Alle sind wir Weihnachtsmänner
 
   
 Von Gerd Malcherek   Legendäre Überhöhung, mediale Trivialisierung, gnadenlose Vermarktung – der Nikolaus hat alles überstanden. 1.500 Jahre Folklore haben den großen alten Mann verändert, und doch ist er so gegenwärtig wie nie zuvor. Jeder kennt ihn, doch kaum jemand weiß, wo er herkommt. Hier ist seine Geschichte.
 
Der historische Nikolaus
Nikolaus von Myra wurde vermutlich zwischen 270 und 286 nach Christus in der heute türkischen Hafenstadt Patara als Sohn reicher Eltern geboren. Er starb zwischen 326 und 351 n. Chr. (und zwar am 6. Dezember). Vielleicht als 81-jähriger Greis, oder im besten Mannesalter von nur 40 Jahren. Gelebt und gewirkt hat er in Myra, dem heutigen Demre an der türkischen Mittelmeerküste. Damals gehörte Myra zum lykischen Staatenbund und war Bischofssitz. Die Lykier waren ein Volk mit eigener Kultur, Sprache und Schrift und blieben auch unter griechischer und später römischer Vorherrschaft relativ unabhängig.
 
Dr. Manfred Becker-Huberti, Theologe aus Köln, meldet Zweifel an, ob Nikolaus der richtige Name des Bischofs von Myra war. „Es könnte sich auch um eine Ehrenbezeichnung handeln, denn ‘nikos’ bedeutet im Griechischen ‘Sieg’, ‘laos’ das ‘Volk’. ‘Nikolaos’ meint somit ‘Sieger des Volkes’. ‘Nikolaus’ könnte also jemanden bezeichnen, der das Böse besiegt und dem Volk gezeigt hat, wie das Gute siegreich bleibt.“
 
Bibliographie:

Manfred Becker-Huberti:
Der heilige Nikolaus – Leben, Legenden und Bräuche.
Köln, 2005

Copyright

 
     
Das römische Reich befindet sich zu Lebzeiten von Nikolaus schon in der Krise. Bürgerkriege unterminieren das Imperium und an der nördlichen Grenze des Reiches nimmt der Druck der germanischen Stämme deutlich zu. Das Römische Reich wackelt aber es wird erst in der Mitte des V. Jahrhunderts, also rund 150 Jahre später, kollabieren. (Siehe Tabelle der römischen Kaiser und Imperatoren) Im Jahr 313 treffen sich Konstantin I., Kaiser des Römischen Reiches und sein östlicher Kollege und Co-Imperator Licinius in Mailand und verabschieden gemeinsam das so genannte Mailänder Toleranzedikt, das allen römischen Bürgern Religionsfreiheit garantiert und nicht nur, wie oft behauptet wird, das Christentum gleichberechtigt neben die römische Religion stellt. Die Christenverfolgung ist damit offiziell beendet und nach weiteren hundert Jahren wird das Christentum zur Staatsreligion des zerbröckelnden Römischen Reiches, Zwangstaufe eingeschlossen (391 unter Kaiser Theodosius I.).
 
Im Jahr 324 verlegt Kaiser Konstantin den Regierungssitz von Rom nach Byzanz, das später Konstantinopel und Istanbul heißen wird. Byzanz ist die reichere Stadt, bietet besseren Zugang zu den Rohstoffen im Osten, ist durch seine Lage am Bosporus strategisch wichtiger und weit genug von den Unruhen an den Grenzen des Reiches entfernt. Die Stadt Rom wird dadurch zweitrangig. Ungefähr ein Zehntel aller Bürger des Römischen Reiches sind bereits Christen. Im Osten sind sie deutlich zahlreicher als im Westen. In dieser Zeit bekennt sich auch Konstantin I. offen zum Christentum, wendet sich ab vom Sonnengott Sol Invictus und lässt seine Kinder christlich erziehen.
 
 
Konstantin I.
272/285–337


Im Jahr 321 erklärte der römische Kaiser den dies solis, den Sonnentag, zum Feiertag. Er verfügte die Schließung der Gerichte am verehrungswürdigen Tag der Sonne und erklärte ihn zum Ruhetag. Seine religiösen Vorstellungen sind den älteren, heidnischen Traditionen verhaftet, nur dass er nicht mehr Jupiter oder den Sonnengott als persönlichen Schutzgott ansah, sondern den Gott der Christen.

 
     
Ab 300 n. Chr. amtiert Nikolaus als Bischof von Myra. Vermutlich war vor ihm bereits sein Onkel Bischof von Myra und es macht eine historische Recherche nicht gerade einfacher, dass auch dieser Onkel den Namen Nikolaus trug. Onkel Nikolaus soll seinen Neffen im zarten Alter von 19 Jahren zum Priester geweiht haben und Nikolaus der Jüngere begann seine klerikale Karriere als Abt eines Klosters in der Nähe von Myra. Nach dem Tod seines Onkels pilgerte Nikolaus ins Heilige Land und wird nach seiner Rückkehr von der Gemeinde zum neuen Bischof von Myra gewählt.
 
Wahrscheinlich hat es sogar noch einen dritten Nikolaus gegeben, meint Dr. Manfred Becker-Huberti. Auch der war Bischof, allerdings von Pinora, unweit von Myra, lebte rund 200 Jahre später und starb am 10. Dezember 564. „Seine Lebensgeschichte wurde mit der des Nikolaus von Myra unentwirrbar verwoben.“
 
Im Jahr 325 soll Bischof Nikolaus von Myra am 1. Konzil von Nizäa , das von Kaiser Konstantin I. einberufen wurde (im heutigen Iznik, Türkei), teilgenommen haben. Der römische Kaiser hatte 1.800 Bischöfe eingeladen und war bereit, alle Reisekosten zu tragen, aber nur etwa 300 Kirchenfürsten folgten seinem Ruf. Zum ersten Mal nach dem Apostelkonzil in Jerusalem sollte die zukünftige offizielle Lehre der Kirche beschlossen werden.
 
Online
Querverweis


Konzil von Nizäa:
Events > Osterei, Osterhase und der gregorianische Kalender
 
     
Unter anderem stand die Dreifaltigkeit Gottes zur Diskussion: Sollte Jesus Christus auch in Zukunft noch als göttlich angesehen werden oder gab es nur den einen Gott und Schöpfer dieser Welt? (siehe: Arianischer Streit) Beschlossen wurde dann die Dreifaltigkeit Gottes – Vater, Sohn und heiliger Geist – die auch heute noch gilt und von Christen in aller Welt durch das Glaubensbekenntnis während der Messe bestätigt wird.
 
Nikolaus von Myra steht zwar nicht auf der nur unvollständig erhaltenen Unterzeichner-Liste des Konzils, soll aber laut Aussage zweier kretischer Mönche, die mehr als 300 Jahre später darüber schrieben, handgreiflich teilgenommen haben. Er soll seinen ideologischen Gegner geohrfeigt haben, wurde deswegen verhaftet und später rehabilitiert.
 
Die eigentliche Nikolaus-Verehrung zeigte sich erst etwa 200 Jahre später. Mitte des 6. Jahrhunderts weihte Kaiser Justinian ihm eine Kirche in Konstantinopel und der Nikolaus-Kult verbreitete sich in der Türkei, Griechenland und den slawischen Ländern. Seine menschenfreundliche Hilfbereitschaft und sein Einsatz für ungerecht Verurteilte machten Nikolaus von Myra zu einem der am meisten verehrten Heiligen Russlands. Nur Maria, die Mutter Gottes, rangiert noch vor ihm. In Rom wurde der Nikolaus-Kult im 8. Jahrhundert populär und gelangte von hier in den Rest Europas.
  Arianischer Streit

Benannt nach Arius, einem Presbyter aus Alexandria. Es gab verschiedene Varianten des Arianismus, aber der Kernpunkt war, das Jesus Christus und Gott nicht wesensgleich seien. Gott allein ist ungezeugt, ewig, weise, gut und keiner Veränderung unterworfen. Diese Frage nach dem wahren Wesen Christi – Sohn oder Gott – wurde keinesfalls nur von Theologen, sondern von breiten Bevölkerungs-Schichten diskutiert.
 
     
Aus Nikolaus von Myra wird Nikolaus von Bari
Im Jahr 1087 werden die Gebeine des Bischofs von Kaufleuten in die süditalienische Stadt Bari überführt und dort erneut beigesetzt. Wohlwollende Historiker suchen den Grund für diese Überführung in der fortschreitenden Islamisierung der heute türkischen Mittelmeerküste. Nikolaus drohte der westlichen-, also der christlichen Welt verloren zu gehen. Muslimische Heere hatten kurz zuvor den Byzantinern schwere Niederlagen zugefügt und zogen nun plündernd durch Lykien. Die Bevölkerung der Stadt Myra hatte sich in die Berge zurückgezogen und die Gebeine des Bischofs vergessen.
 
Die zynischere Begründung der Umbettung ist, dass der wirtschaftlich prosperierenden Hafenstadt Bari noch ein aufstrebender Heiliger fehlte und das Machtvakuum in Kleinasien kurzerhand ausgenutzt wurde. Man begründete den Raubzug damit, dass Nikolaus schon zu Lebzeiten nach Bari wollte und man ihm diesen Gefallen nun endlich tun müsse. Am 9. Mai 1087 wurden in Bari zum ersten Mal die sterblichen Überreste des Bischofs von Myra verehrt. Auf den Trümmern des byzantinischen Gouverneurspalastes von Bari wurde die monumentale Basilika San Nicola errichtet, die Papst Urban II. 1098 weihte.
 
Bis heute wird jedes Jahr der geglückten Translation der Reliquien gedacht, während in der Türkei ein zerbrochener und leerer Sarkophag von Wallfahrern der Ostkirche verehrt wird.
 
Der Pathologe Franco Introna, der selbst aus Bari stammt, beschäftigt sich mit der Analyse der geraubten Reliquien. „Egoistisch betrachtet, macht es mich stolz, dass die Gebeine von Sankt Nikolaus in unserer Basilika in Bari ruhen. Natürlich bin ich nicht stolz auf den Raub. Wie könnte jemand auf so etwas stolz sein?“ sagt er. „Aber wenn die Seeleute die Knochen nicht gestohlen hätten, gäbe es den Nikolaus heute vielleicht gar nicht.“
 
Der ehemalige Bischof in Kleinasien ist heute in der katholischen Kirche fast ausschließlich als Nikolaus von Bari bekannt. Aber Vorsicht! Auch hier gibt es noch einen zweiten gleichnamigen Kirchenmann, der allerdings 900 Jahre später, also im 13. Jahrhundert, in Bari lebte und als Abt und Diakon flammende Reden für das „gottgleiche Geschlecht“ der Stauffer hielt.
 

„Die Verdienste eines Heiligen aus der Türkei werden einfach nach Italien verlegt.“

Alistair McGrath,
Historiker an der Universität Oxford
 
 
 
     
Nikolaus Legenden
Mythen und Legendenbildung sind keinesfalls ein Privileg unaufgeklärter Bewohner des dunklen Mittelalters oder der Antike. Zu einfach ist die Erklärung, paranormale Ausschmückung und Deutung von Ereignissen auf fehlendes Wissen und mangelhafte Übersicht zu schieben. Der Wunsch und die Sehnsucht, die Welt so zu erklären, dass sie unseren positiven oder negativen Idealen entspricht, lässt selbst aus heutigen Wissenschaftlern unkritische Interpretatoren von Fakten werden. Gemeinsam mit unseren institutionellen Meinungsverbreitern, die wiederum einer sehr komplexen – aber bekannten – Eigendynamik unterliegen, befruchten sie immer wieder unsere Phantasie mit Geschichten, die uns im günstigen Fall amüsieren, im ungünstigen Fall indoktrinieren, ideologisieren und auf falsche Fährten hetzen.
 
Wie das so ist mit Legenden: Man weiß meistens nicht so genau, wo sie herkommen und es gibt viele, viele verschiedene Versionen. Die Nikolaus-Legenden scheinen sich alle auf zwei Personen gleichen Namens zu beziehen: Den oben erwähnten Bischof von Myra und seinen gleichnamigen klerikalen Kollegen, den Abt eines Klosters in der Nähe von Myra, der rund zweihundert Jahre später lebte und wunderwirkte. Wer, was, warum getan hat, lässt sich natürlich nicht mehr feststellen, sonst wären es ja auch keine Legenden, sondern historische Tatsachen.
 
Der großzügige Nikolaus
Nikolaus von Myra entstammt einer wohlhabenden Familie. Er erbt das Vermögen seines Vaters und ist damit ein reicher Mann. Ein anderer Mann, ohne Geld, aber mit drei Töchtern gesegnet, hat nicht die Mittel um diese mit einer ordentlichen Mitgift auszustatten und gewinnbringend zu verheiraten. Stattdessen beschließt er, sie als Prostituierte zu verkaufen. Nikolaus greift ein. Heimlich und bei Nacht wirft er drei Goldklumpen in das Haus des wohl auch geistig verarmten Vaters der drei Töchter. Nikolaus schenkt und versucht, unerkannt zu bleiben. Auch wenn es ihm nicht gelingt, anonym zu bleiben: Der Versuch zählt.
 
Die Legende von Nikolaus und seiner Gabe an den Vater der drei Töchter hat französische Nonnen zu einer Fortsetzung inspiriert: Sie schleichen sich im Morgengrauen unerkannt zu den Häusern armer Menschen, deponieren dort Strümpfe, gefüllt mit Nüssen und Früchten. Ein Ritual, das schnell kopiert wird und ganz Europa erobert.
 

“Der Mythos aber wird wiederholt, während an die Geschichte nur erinnert wird.”

Philippe Ariès,
franz. Historiker (1914–1984),
in: Zeit und Geschichte.
athenäum,
Frankfurt, 1988.

 
 
 
 
 
 
 

Bibliographie

Jacobus de Voragine:
(Dominikanermönch,
ca 1230–1298)
Legenda aurea,
(Sammlung von Legenden und Lebensgeschichten Heiliger in volkstümlicher, lateinischer Sprache.
 
     
Der gerechte Nikolaus
In Myra reißt der Bischof eigenhändig einem Scharfrichter das Schwert aus der Hand. Drei Männer sollten hingerichtet werden und waren natürlich unschuldig. Drei Zeugen seiner mutigen Tat, oströmische Feldherren, werden später in Byzanz zum Tode verurteilt. Unschuldig und Opfer von niedrigen Intrigen. In der Todeszelle beten sie verzweifelt zu Nikolaus von Bari, der daraufhin sowohl den Intriganten als auch dem Kaiser im Traum erscheint. Nikolaus droht beiden mit erheblichen Konsequenzen im Falle einer Hinrichtung. Zutiefst beeindruckt begnadigt der Kaiser die Todeskandidaten. Damit scheint Nikolaus sich deutlich gegen die Todesstrafe auszusprechen. Trotzdem wurde er aber bisher noch nicht als Schutzpatron der Todesstrafengegner und der Zu-Tode-Bestraften ernannt. Nach Meinung des Kölner Theologen Dr. Becker-Huberti machte diese Tat Nikolaus schon zu Lebzeiten nicht nur zu einem „Thaumaturgos“ (griech. Wundertäter), sondern zum „Hyperhagios“, einem „Überheiligen“, einer Gestalt, die normale Heilige überragt.
 
Und noch eine Geschichte, kompliziert, aber mit wunderbarem Ende: Ein Christ leiht sich Geld bei einem Juden und zahlt es nicht zurück. Vor Gericht trickst der Christ den Juden aus. Er versteckt das geliehene Geld in einem hohlen Stock und bittet den nichts ahnenden Juden, den Stock zu halten, während er selbst schwört, das Geld zurück gegeben zu haben, was ja auch stimmt. Danach nimmt er den Stock wieder an sich und der Jude bleibt der Geprellte.
 
Überraschende Wende: Auf dem Heimweg wird der trickreiche Christ von einem Wagen überfahren. Der Stock zerbricht, das versteckte Geld fällt heraus und der christliche Betrüger erliegt den Folgen des Unfalls. Die umstehenden Leute finden das nur gerecht und der Jude solle sein Geld jetzt wieder an sich nehmen. Überraschende Wende Nummer zwei: Der betrogene Jude will sein eigenes Geld nur wieder haben, wenn der heilige Nikolaus den Toten zum Leben erweckt. Wunderbares Ende: Der verunglückte Christ wird daraufhin wieder lebendig und der Jude lässt sich taufen.
 
Der wundertätige Nikolaus
Drei Schüler, unterwegs nach Athen, übernachten in einer Herberge der Nikolaus-Stadt Myra. Sie werden vom Gastwirt ausgeraubt, ermordet, zerstückelt und in Salzfässern gepökelt. Durch einen Engel erfährt Nikolaus von dem Gemetzel, stellt den Täter zur Rede und die zerstückelten Mordopfer werden auf wunderbare Weise reanimiert. Diese Legende, die älteste schriftliche Version liegt in einer Hildesheimer Handschrift (Liber sancti Godehardi) aus dem 12. Jahrhundert vor, begründet wahrscheinlich Nikolaus Kultstatus als Freund und Helfer aller Kinder.
 
Beschützer der Seeleute
In einem Sturm geraten Seeleute vor der Küste von Kleinasien in eine ausweglose Situation. Verzweifelt rufen sie den heiligen Nikolaus an. Ein Mann erscheint an Bord, besänftigt den Sturm und die Wellen, setzt die Segel richtig und übernimmt die Navigation. Sobald das Schiff auf dem richtigen Kurs ist verschwindet der Mann wieder. Als die geretteten Seeleute später in der Kirche von Myra für ihre Rettung beten, erkennen sie, dass der geheimnisvolle Mann kein anderer als der Nikolaus selbst war.
 

Der heilige Nikolaus –
ein viel beschäftigter Schutzpatron


Er ist der Schutzheilige von Russland, Lothringen, Amsterdam, Freiburg in der Schweiz, New York, Meran, Ancona, Bari und Trani.
Er beschützt Kinder, Schüler, Mädchen, Jungfrauen, Frauen mit Kinderwunsch, Gebärende und alte Menschen, Ministranten, Feuerwehr, Pilger und Reisende, Seeleute, Schiffer, Flößer, Schiffsbauer, Matrosen und Fährleute, Sinti und Roma („Zigeuner“), Gefangene, Diebe und Verbrecher, Eigentümer und Bettler, Apotheker, Richter, Rechtsanwälte und Notare, Kaufleute, Bauern, Pfandleiher, Bäcker, Müller, Korn- und Samenhändler, Metzger, Bierbrauer, Schnapsbrenner, Wirte, Weinhändler, Fassbinder, Parfümhersteller, Schneider, Weber, Tuchhändler, Knopfmacher, Brückenbauer, Steinmetze, Steinbrucharbeiter, Kerzenzieher.
Er sorgt für eine glückliche Heirat, die Wiedererlangung gestohlener Gegenstände und schützt gegen Wassergefahren, Seenot und Diebe.
 
 

 
10 Bilder der
Coca Cola-
Weihnachtsmann
Kampagne
seit 1931

 
 

Siehe auch:
Clement Clarke Moore,
(1779–1863)
„A Visit of
St. Nicholas“

(1823)


 
 
   
Nikolaus wird zum Weihnachtsmann
Besonders im Mittelmeerraum, aber auch im nördlicheren Europa kursierten bereits im Mittelalter detailierte Legenden um den Bischof von Myra als gerechten Freund der Kinder und großzügigen Spender, der es vorzieht anonym zu bleiben. Zwischenzeitlich wird er auch zum Schutzpatron der Seeleute und sogar der Metzger ernannt (siehe Marginalie). An seinem Todestag, dem 6. Dezember, werden Geschenke verteilt, oft heimlich vor die Tür gelegt oder in die Stiefel der Kinder gesteckt.
 
Im nördlichen Europa existierte bereits eine Sagengestalt die mit Rute und Nüssen die Menschen auf die Winterzeit vorbereitete. Ein bärtiger alter Mann, gekleidet in Winterpelz mit Kapuze, fuhr der Sage nach auf seinem Rentierschlitten von Haus zu Haus. Er hatte noch deutliche Elemente des nordischen Gottes Thor und sein vermuteter Wohnort war in Lappland. Aus dem türkischen Bischof von Myra und dem Schlitten fahrenden Lappländer wird in Personalunion der moderne Nikolaus.
 
Als Kinderbescherer er in ganz Europa bekannt. Selbst im Hause Martin Luthers wird der Nikolaustag gefeiert. Aber nicht lange. Den reformierten Christen erscheinen Heilige obsolet und ersatzweise erfinden sie das Christkind, das sich im katholischen Italien natürlich nicht durchsetzen kann. Aber das ist eine andere Geschichte.
 
Vermutlich im Gepäck der Holländer reist der heilige Nikolaus als Sinterklaas über den Atlantik. In New Amsterdam, dem heutigen New York, wird aus dem holländischen Sinterclaas der englische Santa Claus, oder kurz: Santa, oder auch Father Christmas, der Weihnachtsmann. Schon um 1920 gibt es Darstellungen des Weihnachtsmanns als dicker, freundlicher Mann im rotem Mantel, aber erst die Coca Cola Kampagne von 1931 – als Model diente dem schwedisch-amerikanischen Grafiker Haddon Sundblom ein pensionierter Mitarbeiter des Brausekonzerns – macht den Ex-Bischof zum prominentesten Geschenkeverteiler der Welt. Es siegte die Zipfelmütze über die Bischofsmitra.
 

Haddon Sundblom
(1899–1976)


Der schwedisch-amerikanische Grafiker zeichnete seit 1931 die Coca Cola-Kampagnen und benutzte zunächst einen pensionierten Mitarbeiter, und später sich selbst als Model. Als Quelle seiner Inspiration verweist Sundblom auf ein Gedicht von Clement Clarke Moore aus dem Jahr 1823: „A Visit of St. Nicholas“, auch bekannt als: „The Night Before Christmas“.

 
 
 
     
Der Hochleistungs-Weihnachtsmann
Zwei Milliarden Kinder leben auf der Welt. Da der Weihnachtsmann scheinbar nur christliche Kinder beliefert, reduziert sich seine Zielgruppe auf ca 19 Prozent. Das sind immerhin noch 378 Millionen Kinder. Bei einer durchschnittlichen Kinderzahl von dreieinhalb Kindern pro Haushalt ergibt das 108 Millionen Familien. Gehen wir pessimistisch davon aus, dass in 15 Prozent der Familien einfach keine braven Kinder anzutreffen sind, bleiben rund 92 Millionen Haushalte, die am Weihnachtsabend zu beliefern sind. 31 Stunden hat er dazu Zeit, wenn er von Osten nach Westen und durch verschiedene Zeitzonen reist. 824 christliche Familien wird er pro Sekunde besuchen müssen. Die Bescherungszeit reduziert sich dadurch auf ca 1/1000 Sekunde.
 
Wenn man weiter davon ausgeht, dass die 92 Millionen Familien einigermaßen gleichmäßig auf der Erde verteilt sind, muss der Weihnachtsmann am Weihnachtsabend mehr als 120 Millionen Kilometer in 31 Stunden zurücklegen. Das bedeutet eine Schlittengeschwindigkeit von 1040 Kilometer pro Sekunde. Immer noch deutlich unter Lichtgeschwindigkeit (ca 300.000 km/s), aber mehr als 3000 mal schneller als der Schall (0,343 km/s).
 
Wenn ein durchschnittliches Weihnachtsmann-Geschenk nur ein Kilo wiegt, müssen am Weihnachtsabend 378.000 Tonnen in Rekordgeschwindigkeit bewegt werden. Um solche Höchstleistungen zu vollbringen, muss der Weihnachtsmann entweder über uns unbekannte Technologie verfügen, oder ein übermenschliches Wesen sein, das nicht den Gesetzen der klassischen Physik unterliegt.
 
Einzig die Quantenmechanik könnte ansatzweise die Existenz des Weihnachtsmanns belegen. Werner Heisenberg formulierte 1927 seine Unschärferelation. Dort beschreibt er, dass Elektronen mit so großer Geschwindigkeit um den Atomkern kreisen, dass ihr exakter Aufenthaltsort zeitlich nicht mehr feststellbar ist. Sie befinden sich also gleichzeitig an mehreren Stellen. Und tatsächlich ist ihre Geschwindigkeit ähnlich, wie die des Weihnachtsmanns am Heiligen Abend.
 
Ein Cosmopolit
mit vielen Namen


Babadimri (Albanien)
Babbo Natale (Italien)
Baba Chaghaloo (Afghanistan)
Daidí na Nollag (Irland und schottisches Hochland)
Deda Mraz (Serbien und Bosnien-Herzegowina)
Dyado Koleda (Bulgarien)
Gaghant Baba (Armenien)
Goosaleh (Iran und Südafrika)
Jezisek (Tschechien)
Julenissen (Norwegen)
Jultomten (Schweden)
Joulupukki (Finland)
Julemanden (Dänemark)
Mos Craciun (Rumänien)
Noel Baba (Türkei)
Pai Natal (Portugal)
Papá Noel (Spanien und Mexico)
Papai Noel (Brasilien)
Père Noël (Frankreich und Kanada)
Santa Claus (England und Nordamerika)
Sinterklass (Niederlande)
Swiety Mikolaj (Polen)
Viejito Pascuero (Chile)
Weihnachtsmann oder Nikolaus (Deutschland)
 
     
Gibt es den Weihnachtsmann wirklich?
Nikolausphysik, Quantenmechanik, heisenbergsche Unschärferelation, übermenschliches Wesen? Alles falsch! Natürlich hat der Bischof von Myra, so wie alle menschlichen Wesen, nach Ablauf seiner Lebenszeit das Zeitliche gesegnet. Wer seine Knochen anbeten möchte, soll nach Bari reisen. Der Mensch ist tot, aber es lebt die Idee. Gute Ideen leben lange und überleben Vieles. Auch Kommerzialisierung in Plastik und Schokolade. Ideen und Ideale leben in uns, und wir leben Ideen und Ideale. Eine gute Idee hat Folgen und Nachfolger.
 
Gibt es den Weihnachtsmann wirklich? Die dümmste Frage der Welt. (Kinder stellen sie normalerweise nicht. Es sei denn, sie werden von einem Erwachsenen dazu angestiftet.) Gibt es Großzügigkeit? Gibt es Gerechtigkeit? Liebe? Gutmütigkeit? Freude? Alle diese Eigenschaften verkörpert der Weihnachtsmann und wer nicht daran glaubt ist ein armer Wicht.
 
Auf dem Monte Argentario gibt es viele (Nachfolge-) Weihnachtsmänner. (Siehe: Fotos oben)
     
     

 
   
   
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