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Osterei & Osterhase

Das Osterdatum

Gregorianischer und
julianischer Kalender


Oster–Etymologie

   
Aussicht vom Berg Ronconali auf die Insel Giglio.
Foto: Christina Max & Luciano Paternity
 

     
Osterei und Osterhase –
Kleine Indiziensammlung

 
   
Von Gerd Malcherek
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
  Schon vor 5.000 Jahren haben die Chinesen bemalte Eier zum Frühlingsanfang verschenkt. Es war für sie ein Symbol der Fruchtbarkeit, ebenso wie für die Ägypter und die Germanen.

In den ersten Jahrhunderten nach Christus läßt sich das Schenken von Eiern zu Ostern durch Christen in Armenien nachweisen.

Während der 40-tägigen Fastenzeit durften früher keine Eier gegessen werden. Damit die in der Zwischenzeit anfallenden Eier nicht schlecht wurden, mussten sie haltbar gemacht werden. Dazu kochte man sie in Wasser. Pflanzenteile wurden zum Färben der Eier mit in das Kochwasser getan. So konnte man später die gekochten von den rohen Eiern unterschieden.

Im 12. Jahrhundert führt die Kirche die feierliche „Benedictio ovorum, die Eierweihe“ ein.

Im 12/13 Jahrhundert beginnt in der Westkirche das Bemalen von Ostereiern.

Die protestantische Kritik: Die Heidelberger Dissertation des Arztes Johannes Richier „De ovis paschalibus / von Ostereiern” aus dem Jahr 1682 kritisiert die Ostereier (ova paschalia) als Irrtümer aus heidnischer Zeit. Eine andere Quelle ordnet genau diese Schrift dem elsässischen Medizinprofessor Georg Franck von Frankenau zu.
Um sich von den Katholiken abzusetzen, erfinden (wahrscheinlich) die deutschen Protestanten den Osterhasen. Als realsatirische Konsequenz bringt heute in Deutschland der Osterhase die Ostereier. Aber die ursprüngliche Verbindung des Hasen mit den Ostereiern und dem Osterfest bleibt unklar.
Im katholischen Italien schenkt man dem Osterhasen bisher nur wenig Beachtung. Das wird sich vermutlich in den nächsten Jahren im Zuge weiterer Globalisierung ändern.

Im 18. Jahrhundert entwickelt sich das Osterei in Frankreich auch zum glamourösen Kunsthandwerk: Ludwig XV. (1715–1774) beglückt seine geliebte Madame Dubarry mit einem Osterei, das sich öffnen lässt und keineswegs christliche Motive zeigt.

Um 1800 schafft das Bürgertum nicht nur eine romantisch-rührselige Familienwelt, sondern in ihr eine eigene Kinderwelt, eine Mischung aus Gutwilligkeit und Pathos, Sentimentalität und Naivität. Zu diesem Zeitpunkt werden die Ostereier in städtischen gutbürgerlichen Familien bereits akzeptiert. Allerdings nicht als religiöses oder kultisches Symbol, sondern als Teil einer familiären und säkularen österlichen Festinszenierung. Typisch für diese säkularen Ostereier ist, dass sie von den Eltern versteckt und von den Kindern gesucht werden müssen. Eine solche Ostereiersuche ist für 1783 aus dem Hause Goethes in Weimar belegt. Die Ostereiersuche und damit dann auch der Osterhase tauchen ausnahmslos in protestantischen Gegenden und bei protestantischen Autoren auf.

Zar Alexander III. (1881 - 1894) übersteigert eine in adeligen Kreisen Russlands übliche Praxis. Er engagierte einen Goldschmied (Carl Fabergé), der phantasievolle Eier aus kostbarsten Materialien herstellt. Die „imperialen Ostereier” werden so berühmt, dass sie 1900 auf der Weltausstellung in Paris zu sehen sind.
 

   
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
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Das Osterdatum
Ostern gehört zu den beweglichen christlichen Festen. Es ist an kein festes Datum gebunden. Die Berechnung des Osterdatums richtet sich auch heute noch nach den Mondphasen – 29,53 Tage von Neumond bis Neumond – und nicht nach dem astronomischen (Sonnen) Kalender.
 
Frühester möglicher Termin ist nach den Beschlüssen des Konzils von Nicäa (siehe unten) der 22. März. Der späteste Termin ist theoretisch der 26. April, ein ganzer Mondzyklus, ca 29,5 Tage, plus sieben Wochentage später.
 
Laut julianischen Kalender (siehe unten) war der spätestmögliche Termin allerdings der 25. April. Eine Verschiebung auf den 26. April wollten auch die Befürworter des neuen, gregorianischen Kalenders (siehe unten) aber niemandem zumuten, und daher erdachte man noch zusätzliche, knifflige Regeln, die den 26. April als spätestmöglichen Ostertemin ausschließen.
 
Die orthodoxe Kirche hält noch heute am julianischen Kalender fest. Daher findet das orthodoxe Osterfest, wie auch das jüdische, manchmal eine Mondphase später statt als das römisch-katholische.
 

   
     
Das erste Konzil von Nicäa
Im Jahr 325 auf dem ersten Konzil von Nicäa (heute Iznik in der Nähe von Istanbul) wurde der 21. März als Frühlingsanfang festgelegt. Als Datum für das Osterfest wurde der erste Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond bestimmt.
 
Kaiser Konstantin I (Constantinus I, *ca 272 bis 337, im Jahre 312 wurde er selbst Christ, ohne den christlichen Glauben in seinem Reich mit Vehemenz durchzusetzen) hatte alle 1800 Bischöfe der damaligen christlichen Kirche eingeladen und angeboten, alle Reisespesen zu übernehmen. Trotzdem kamen nur 300.
 
Die Festlegung des Osterdatums war ein eher marginaler Punkt auf der Agenda der Konzilsteilnehmer. Zentrales Problem war die Frage, ob Jesus ein Mensch, also eine Person, gewesen ist, oder Gott und Teil der Dreifaltigkeit.
 

  Bibliografie:

Chris Scarre:
Chronicle of the
Roman Emperors.
Thames and Hudson
London, 1995
     
Gregorianischer und julianischer Kalender
Der julianische Kalender (von Julius Cäsar protegiert) berechnet ein Sonnenjahr als 365,25 Tage (365 Tage + 6 Stunden). Um einen sauberen Jahreskalender mit 365 Tagen zu erhalten, wurden alle vier Jahre ein Tag übersprungen. Astronomisch korrekt beträgt ein Sonnenjahr 365 Tage, 5 Stunden, 48 Minuten und 46 Sekunden. Der julianische Kalender war also trotz Schaltjahr immer noch mehr als 11 Minuten zu lang. Bis ins 16. Jahrhundert hatte sich diese Ungenauigkeit zu der schönen Summe von 10 Tagen aufgestaut und in Konsequenz fand der astronomische Frühlingsanfang (Äquinoktium, Tag– und Nachtgleiche) laut julianischem Kalender schon am 11. März statt.
 
Das da etwas nicht stimmte, fiel den Astronomen schon im 14. Jahrhundert auf.
 
Papst Gregor XIII gab 1582 dem Drängen der Astronomen nach, die Uhren neu zu stellen. Im selben Jahr folgte auf den 4. Oktober unmittelbar der 15. Oktober. Zehn Kalendertage wurden übersprungen, und Kalender und astronomische Beobachtungen waren wieder synchron: 1583 war der Frühlingsanfang wieder am 21. März, so wie es das Konzil von Nicäa (325) gewollt hatte.
 
Damit solche Abweichungen im Kalender nicht wieder geschehen, legte man auch gleich fest, dass das astronomische Jahr von nun an 365,2425 Tage, statt bisher 365,25 Tage haben sollte. Die Schaltjahre wurden beibehalten. Aber zwecks größerer Genauigkeit sollten die Jahre deren Zahl durch 100, nicht aber durch 400 teilbar waren, keinen Schalttag mehr haben. Der gregorianische Kalender war erfunden und gilt seit dem 15. Oktober 1582 in einem Teil der Welt.
 
Die katholischen Länder Europas, Spanien, Portugal und Italien übernahmen fast sofort die neue Zeitrechnung. Die eher protestantischen Länder ließen sich etwas länger bitten. Teile des Deutschen Reichs übernahmen den gregorianischen Kalender erst am Anfang des 18. Jahrhunderts. Die Engländer und ihre Kolonien zögerten bis 1752. Die orthodoxen Länder Osteuropas warteten bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts, und das jüngste und letzte Klubmitglied wurde 1927 die Türkei.


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1550–1599
Synchronoptische
Zeittafel


     
Oster–Etymologie
In vielen Sprachen ist der etymologische Zusammenhang des Osterfestes mit dem jüdischen Pessach– oder Passah–Fest unschwer erkennbar: Pasqua in Italienisch, Pascua in Spanisch, Pâques in Französisch, Pascha in Russisch, Påskdagen in Schwedisch.
 
Das jüdische Passah–Fest beginnt am Abend des ersten Frühlingsvollmonds und dauert eine Woche. Die Juden gedenken so der Befreiung (Exodus) der Israeliten aus der ägyptischen Gefangenschaft. Um das Passah–Fest zu feiern ging Jesus Christus nach Jerusalem und wurde dort gekreuzigt.
 
Ostara, die teutonische Göttin der Morgenröte, des Frühlings und der Fruchtbarkeit, könnte die Quelle des deutschen Wortes „Ostern“ und des englischen „Easter“ sein. Das Fest der Göttin Ostara wäre dann, wie andere heidnische Feste, christianisiert worden. Wie, und warum das funktioniert, versteht man ganz gut am Beispiel von Halloween / Allerheiligen.
 
Es bleibt aber umstritten, ob es in der germanischen Mythologie tatsächlich die Göttin Ostara gegeben hat, oder ob sie eine Erfindung der nachmittelalterlichen Erzähler ist (u.a. Jakob Grimm, 18. Jahrhundert).
 
 

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Halloween –
Willkommen in Italien


   
 
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