Monte Argentario Almanach: Events > Das Krippenspiel von Porto Ercole

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des Herodes


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Das Krippenspiel
von Porto Ercole


Die Geburt von
Jesus von Nazareth


Der Geburtstag Jesu

Die Volkszählung

Die Evangelien

Der Ursprung
der Krippenverehrung

   
In den Gassen von Porto Ercole: Das Krippenspiel, 2001.
Fotos: Gerd Malcherek
 

 
 
 
 
Von Gerd Malcherek
   
Weihnachten auf dem Argentario:
Das Krippenspiel von Porto Ercole
 
Rituale und Feste gehören zu unserem Leben. Wir brauchen sie, denn sie markieren Stationen im alltäglichen Leben. Rituale und Feste können sehr verschieden sein, je nach Region, Lebensstil und sogar persönlichen Vorlieben.
 
In Italien werden in der Weihnachtszeit in verschiedenen Regionen verschiedene Feste gefeiert. Am 6. Dezember kommt San Nicola, am 13. Dezember beschenkt Santa Lucia die Kleinen, am 25. Dezember wird die Geburt Christi gefeiert, und am 6. Januar (Epiphania) freuen sich alle Kinder auf La Befana, die gute Hexe. San Nicola, der heilige Nikolaus, und Santa Lucia werden auf dem Argentario nicht gefeiert.
 
In allen italienischen Wohnzimmern steht in der Weihnachtszeit nicht der Weihnachtsbaum, sondern die Krippe im Mittelpunkt des Weihnachtsfestes.
 
In Porto Ercole erinnern wir uns gemeinsam mit anderen Menschen an den Beginn einer Geschichte, die viele für die größte Geschichte der Welt halten. Wer allerdings glaubt, das Traditionen unveränderlich durch die Generationen wandern, der unterschätzt die Kreativität der Menschen.
   
   
 
 
 
 
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Das Krippenspiel von Porto Ercole
Zu Weihnachten verwandeln die Einwohner von Porto Ercole ihre Altstadt in das Bethlehem des Jahres Eins unserer Zeitrechnung. Mit spektakulärer Liebe zum Detail werden Handwerk und dörfliches Leben – und natürlich die Geburt Jesu – nachempfunden. In den kleinen engen Straßen, die nur mit Kerzenlicht beleuchtet werden, entsteht eine unbeschreibliche Magie. Wenn Sie den Monte Argentario in den Weihnachtsferien besuchen, sollten Sie sich dieses Erlebnis auf keinen Fall entgehen lassen.
 
Das Krippenspiel von Porto Ercole ist zwar nicht das einzige in Italien, aber vielleicht das schönste. Die engen Gassen und Treppen der Altstadt bieten eine ideale Kulisse für die 70 Laiendarsteller aus Porto Ercole, die in selbstgeschneiderten Kostümen als Handwerker, römische Soldaten, Hausfrauen, Gastwirte und sogar Leprakranke das tägliche Leben der Zeitgenossen von Jesus Christus nachempfinden. Seit 1995 gibt es das Krippenspiel. Entstanden ist es nach einer Idee des Portoercolesen Marino Costagliola. Es wird organisiert vom Kultur und Traditionsverein „Amici di Porto Ercole“ und steht unter der Schirmherrschaft der Gemeinde Monte Argentario. Achtung! Wenn das Wetter schlecht ist wird das Spektakel auch schon mal verschoben.
 

 
Wo: Porto Ercole, Piazza Santa Barbara
Wann: Während der Weihnachtstage
Öffnungszeiten: Abends
Info: Tel. 0564–833 804
 
Parkplatz: Lungomare Andrea Doria. In Porto Ercole gibt es nur eine begrenzte Anzahl von Parkplätzen. Versuchen Sie besser nicht, mit dem Auto zur Altstadt heraufzufahren. Vom Lungomare im Hafen führen Treppen in fünf Minuten zur Altstadt hinauf. (Siehe: Straßenkarte)
 
Tipp: Auf dem Rückweg in der Bar „Da Mairo“ am Lungomare heisse Schokolade mit Sahne trinken. Mairos Bar hat die Ausstrahlung einer Berghütte und passt wunderbar zur Weihnachtszeit.
 
PS: Auch in Porto Santo Stefano gibt es ein Krippenspiel: Piazza Quattro Venti.
 
  Online
Querverweise:


Copyright

Straßenkarte
Porto Ercole


 
 
 
 
 
 
 
 
 
   
 
Die Geburt von Jesus von Nazareth
Nur der Evangelist Lukas beschreibt die Geburt Jesu. Die Evangelien nach Markus, Mathäus und Johannes beginnen erst mit der Ankunft der Weisen aus dem Morgenland (Epiphania) oder mit der Taufe im Jordan.
 
„... Und sie gebar ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Windeln und legten ihn in eine Krippe; denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge.“
 
Bethlehem im Jahre 1 unserer Zeitrechnung hatte nach Schätzungen etwa 1.000 Einwohner, war also mehr oder weniger so groß wie das heutige Porto Ercole. (Heute hat Bethlehem ca 25.000 Einwohner.) Ausgrabungen in Bethlehem ergaben, dass die meisten Häuser zweigeschossig waren: das Untergeschoß war für das Vieh, im oberen Geschoß lebten die Menschen. Wahrscheinlich wurde Jesus im Untergeschoß eines solchen Hauses geboren.
 
Der Geburtstag Jesu hatte in den ersten dreihundert Jahren nach Christus keine erkennbare Bedeutung für die christlichen Gemeinden. Stattdessen wurde Epiphania am 6. Januar als erste Manifestation des Messias gefeiert.
   
     

 
Der Geburtstag Jesu
Aus dem Lukas-Evangelium: „Und es waren Hirten in derselben Gegend auf dem Felde, die hüteten des Nachts ihre Herde.“
 
In Bethlehem und Umgebung sind die klimatischen Bedingungen nicht viel anders als in Porto Ercole: Die Herden können von März bis November im Freien überwintern. Danach ist es zu kalt. Der 25. Dezember ist daher als Geburtstag sehr unwahrscheinlich.
 
Bis ins dritte Jahrhundert wurde der 28. März als Geburtstag Jesu angesehen. Man interpretierte entsprechend dem Alten Testament den 25. März als 1. Schöpfungstag und legte die Geburt Jesu auf den 4. Schöpfungstag (die Entstehung der Sonne) fest.
 
Den 25. Dezember feierten damals bereits andere, benachbarte Kulturen, Römer, Ägypter und Germanen, als kürzesten Tag des Jahres, als Wintersonnenwende und den Beginn des neuen Jahres. Die sich schnell ausbreitende christliche Kirche übernahm im 4. Jahrhundert die bereits bestehenden Gebräuche und legte den Geburtstag Jesu auf den 25. Dezember fest. Eine erfolgreiche Strategie, die sich die Kirche im ersten Jahrtausend immer wieder zu Nutze machte (siehe auch: Halloween). In vielen Regionen gilt allerdings auch heute noch Epiphania, also der 6. Januar, als das Erscheinungsfest Christi.
 
Erst im Jahr 813 bestätigte die Mainzer Synode für Deutschland den 25. Dezember als „Festum Nativitas Christi“, das Geburtsfest Christi.
 
Im Jahr 1582 mischte Papst Gregor XIII unsere Zeitrechnung nochmals kräftig auf. Das neue Jahr beginnt jetzt 6 Tage später. Der „gregorianische“ Kalender gilt noch heute (für westliche Zivilisationen) und wir können Weihnachten und Neujahr getrennt feiern.
 

 
Und das Geburtsjahr?
Viele Theologen und Historiker legen das eigentliche Geburtsjahr Jesus von Nazareths heute in den Zeitraum 7 vor unserer Zeitrechnung bis 4 nach unserer Zeitrechnung. Das ist aber weder für den christlichen Glauben, noch für das Weihnachtsfest besonders relevant und wird deswegen hier nicht weiter erklärt.
  Online
Querverweise:


Gregorianischer
und julianischer
Kalender –
Events > Ostern


Synchronoptische
Zeittafel
1550–1599


 
 
 
 
 
 
 
 
 
     

 
Die Volkszählung
Evangelium nach Lukas: „Es begab sich aber zu der Zeit, daß ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, daß alle Welt geschätzt würde. Und diese Schätzung war die allererste und geschah zur Zeit, da Quirinius Statthalter in Syrien war.“
 
Der römische Kaiser Augustus (*63 v.Chr. bis 14 n.Chr.) ordnete während seiner Regierungszeit insgesamt drei Zählungen an. Die Volkszählungen dienten natürlich nur einem einzigen Zweck: Der Festlegung der Steuern. Die Welt hat sich in zweitausend Jahren in vielen Dingen kaum geändert. Historiker christlichen Glaubens sind sich sicher, dass Lukas einige geschichtliche Details nicht richtig wiedergab: Quirinus wurde erst zehn Jahre nach Christi Geburt Statthalter von Syrien und Herodes der Große starb schon vier Jahre vor Christi Geburt. Lukas war auch nur ein Mensch, und Irren war auch vor zweitausend Jahren schon menschlich.
   
     

 
Die Evangelien
Die enstehenden christlichen Gemeinden vebreiteten sich rasch, sodass schon bald aus logistischen und aus zeitlichen Gründen keine Augenzeugenberichte mehr zur Verfügung standen. Als Ersatz für mündliche Berichte entstanden zwischen 70 und 100 nach Christus die ersten schriftlichen Versionen. Diese Glaubensbekenntnisse unterlagen den Einflüssen ihrer Epoche, genau wie alles, was wir heute aufschreiben einer zeitgenössischen Perspektive unterliegt. Die Autoren der Evangelien konnten historische Fakten nicht recherchieren, wie es den heutigen Wissenschaftlern möglich ist. Eine organisierte Geschichtsschreibung gab es noch nicht. Ernstzunehmende Theologen plädieren deshalb dafür, die Evangelien nicht wörtlich zu nehmen, sondern als das, was sie sind: Glaubensbekenntnisse.
 
Insgesamt sind heute ca 80 Evangelien und ergänzende Schriften bekannt, von denen der Vatikan jedoch nur vier ausgesucht hat: Lukas, Markus, Mathäus und Johannes. Die Apokryphen zum Neuen Testament, die aussortierten –, wörtlich die verborgenen Schriften, sind oft von historisch und literarisch minderer Qualität, oder sie entsprechen inhaltlich nicht der offiziellen –, der kanonischen Kirchenlehre und wurden daher der Öffentlichkeit vorenthalten.
 
400 n.Chr. beschreiben Hieronymus und Augustinus als erste die Gruppe der Evangelien und Schriften die uns noch heute als kanonisch, also als regelkonform im Sinne der christlichen Lehre, bekannt sind, obwohl Augustinus noch Zweifel an der Echtheit einiger Überlieferungen hatte.
 
1546 während des Konzils von Triest entscheidet sich die römisch-katholische Kirche auch offiziell für diese Schriften.
 
Erwähnt seien die Apokryphen hier, da viele Details des heutigen christlichen Alltags und der christlichen Darstellungen (auch des Krippenspiels), aus eben jenen verborgenen Schriften stammen. Bekanntestes Beispiel sind Ochse und Esel in der Krippe.
  Bibliografie:

Erich Weidinger:
Die Apokryphen.
Verborgene Bücher
der Bibel.
Bechtermünz Verlag
1996
 
 
 
 
 
 
 
 
 
     

 
Der Ursprung der Krippenverehrung
Der römische Kaiser Constantinus (Konstantin der Große, *ca 272 bis 337 n.Chr.) war ein großer Förderer der christlichen Kirche. Im Jahre 312 wurde er selbst Christ, ohne den christlichen Glauben in seinem Reich mit Vehemenz durchzusetzen. Seiner Mutter Helena soll es nach frühchristlichen Überlieferungen gelungen sein, in den Jahren 327 / 328 n.Chr. die Kreuzigungsstätte inklusive Kreuz, das Grab und den Geburtsort Jesus von Nazareths gefunden zu haben. Sie ließ eine Kirche über der vermuteten Geburtsstätte errichten.
 
Fragmente der Geburtsstätte wurden später nach Rom gebracht und dort in der Kirche Santa Maria Maggiore aufbewahrt. Sie wurden in einer hölzerner Kiste gezeigt und dies ist wahrscheinlich der Beginn der Weihnachtskrippen-Verehrung.
 

 
Die erste Krippendarstellung
Hieronymus (ca *347 bis ca 420 n.Chr.), Kirchenlehrer und Philosoph. In Rom war er unter anderem der Revisor des lateinischen Bibeltextes und erarbeitete eine vereinfachte Form der Bibel, die später Vulgata genannt wurde. Als intimer Kenner der frühchristlichen Texte schrieb er im Jahr 392 die erste christliche Literaturgeschichte (De viris illustribus / Berühmte Männer).
 
Im Jahr 385 verließ er Rom um in Bethlehem mehrere Klöster zu leiten. In die Geburtskirche Jesus von Nazareths ließ er die erste Krippendarstellung malen.
   
 
 
 
 
 
Bibliografie:

Chris Scarre:
Chronicle of the
Roman Emperors.
Thames and Hudson
London, 1995
     

Anmerkung des Autors:
Ich bin weder Historiker noch Theologe sondern beschäftige mich normalerweise mit medialen Themen der Gegenwart. Die Recherchen zu o.g. Themen sind sicher weder vollständig noch endgültig, und sollen nur einen Eindruck der derzeitigen Sicht auf die Geschichte wiedergeben.

   
 
 
 
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